Deutschland überprüft den GlüStV 2021 angesichts sinkender Kanalisierungsraten

Die Bundesländer haben eine formelle Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 eingeleitet, weil die Kanalisierung im regulierten Markt bei etwa 77 Prozent liegt und damit fast ein Viertel der Einsätze auf illegale Offshore-Angebote entfällt. Der Vertrag, der Online-Sportwetten, virtuelle Automatenspiele und Poker unter strengen Vorgaben legalisierte, sieht eine Bewertung vor dem 31. Dezember 2026 vor. Zu diesen Vorgaben zählen ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Slots, eine Fünf-Sekunden-Verzögerung zwischen den Spielen sowie Einzahlungsobergrenzen. Die 5,3-prozentige Steuer auf Einsätze stellt eine weitere Restriktion dar, während die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder unter dem Vorsitz von Sandro Kirchner seit 2025 die Aufsicht führt und dabei mit Landesregierungen sowie Branchenverbänden zusammenarbeitet. Der Markt erwirtschaftete im Jahr 2025 rund 14 Milliarden Euro.
Hintergründe der Überprüfung und aktuelle Marktdaten
Im August 2026 laufen die Vorbereitungen für die umfassende Evaluierung auf Hochtouren, weil Daten der GGL zeigen, dass die Kanalisierung seit der Einführung des Vertrags nicht die angestrebten Ziele erreicht hat. Behörden und Experten analysieren, wie sich die strengen Regeln auf das Spielverhalten auswirken und ob Anpassungen notwendig werden, um mehr Spieler in den legalen Bereich zu lenken. Die Überprüfung berücksichtigt sowohl die regulatorischen Rahmenbedingungen als auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Branche, wobei Statistiken der Aufsichtsbehörde als Grundlage dienen.
Regulatorische Maßnahmen und ihre Auswirkungen
Der GlüStV 2021 führte erstmals einheitliche Standards für Online-Glücksspiel in Deutschland ein, darunter das Ein-Euro-Limit pro Spin bei virtuellen Slots und die verpflichtende Verzögerung von fünf Sekunden zwischen einzelnen Spielen. Zusätzlich gelten monatliche Einzahlungslimits, die Spieler schützen sollen, während die Steuer auf Einsätze die Anbieter belastet. Beobachter der GGL berichten, dass diese Maßnahmen zwar Transparenz und Sicherheit erhöhen, jedoch gleichzeitig dazu führen, dass ein signifikanter Teil der Nachfrage auf nicht regulierte Plattformen abwandert. Die Behörde koordiniert die Überprüfung mit allen 16 Bundesländern, um einheitliche Lösungen zu finden, die sowohl den Spielerschutz als auch die Wettbewerbsfähigkeit des legalen Marktes stärken.
Rolle der GGL und Beteiligung von Stakeholdern
Unter Leitung von Sandro Kirchner seit 2025 hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder die Koordination der Evaluierung übernommen und lädt Vertreter der Landesregierungen sowie Industrieverbände zu Konsultationen ein. Die GGL sammelt Daten zur Kanalisierungsrate, die derzeit bei rund 77 Prozent liegt, und untersucht, wie sich die 5,3-prozentige Einsatzsteuer auf die Attraktivität des regulierten Angebots auswirkt. Aktuelle Zahlen zur Kanalisierung dienen dabei als zentrale Referenz, während die Behörde auch internationale Vergleiche heranzieht, um fundierte Empfehlungen für Anpassungen bis Ende 2026 zu erarbeiten.

Branchenvertreter liefern eigene Analysen, die aufzeigen, wie die bestehenden Limits und Verzögerungen das Nutzerverhalten beeinflussen, und betonen die Notwendigkeit, die Balance zwischen Schutzmechanismen und Marktzugang neu zu justieren. Die GGL integriert diese Rückmeldungen in den Bewertungsprozess, der im Laufe des Jahres 2026 weitere Meilensteine erreichen soll.
Marktvolumen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Im Jahr 2025 generierte der regulierte deutsche Glücksspielmarkt etwa 14 Milliarden Euro Umsatz, wobei Sportwetten, virtuelle Slots und Poker die Hauptsegmente bilden. Die Überprüfung des GlüStV 2021 zielt darauf ab, diese Einnahmen nachhaltig zu sichern und gleichzeitig den Anteil illegaler Angebote zu reduzieren. Experten der Aufsichtsbehörde werten die Entwicklung der Kanalisierungsquote kontinuierlich aus, um zu ermitteln, ob höhere Limits oder angepasste Steuersätze notwendig sind, ohne den Spielerschutz zu gefährden. Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Industrie stellt sicher, dass alle relevanten Daten in die Entscheidungsfindung einfließen.
Ausblick auf die weitere Evaluierung
Die formelle Überprüfung läuft bis Ende 2026 und soll konkrete Vorschläge für Änderungen am GlüStV 2021 liefern. Die GGL plant, bis dahin detaillierte Berichte vorzulegen, die auf den erhobenen Marktdaten und den Rückmeldungen der Stakeholder basieren. Dabei bleibt die Frage im Fokus, wie die Kanalisierung verbessert werden kann, ohne die bestehenden Schutzmechanismen wie das Ein-Euro-Limit oder die Fünf-Sekunden-Verzögerung grundlegend zu verändern. Die Ergebnisse werden die zukünftige Ausrichtung des regulierten Marktes maßgeblich bestimmen.
Schlussfolgerung
Die Überprüfung des GlüStV 2021 durch die Bundesländer und die GGL stellt einen wichtigen Schritt dar, um die aktuellen Herausforderungen im deutschen Glücksspielmarkt zu adressieren. Mit Fokus auf die Kanalisierungsrate von etwa 77 Prozent, das Marktvolumen von 14 Milliarden Euro im Jahr 2025 und die bestehenden regulatorischen Vorgaben liefert die Evaluierung bis Ende 2026 die Grundlage für mögliche Anpassungen. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sichert dabei eine datenbasierte Herangehensweise, die sowohl den Spielerschutz als auch die wirtschaftliche Stabilität berücksichtigt.